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Chirurgenstahl und Nickel

In den unendlichen Weiten des Internet halten sich hartnäckig viele Mythen. Ein unter Piercern und Gepiercten leider weit verbreitetes Mythos ist, Chirurgenstahl sei als Piercingschmuck nicht erlaubt.

Die Vorgeschichte:

In den 90er Jahren, als Piercing zur Mode wurde, überschwemmte billiger Schmuck aus Fernost den europäischen Markt. Das führte zu einem eklatanten Anstieg von Nickelallergien und der Gesetzgeber mußte reagieren.

Er untersagte unter anderem den Einsatz von Stäben

die dazu bestimmt sind bis zur Ausheilung der Wunde im Stichkanal zu verbleiben mit einen höheren Nickelgehalt als 0,05 %

Chirurgenstahl hat wie jeder Edelstahl einen mindestens 10 Mal so hohen Nickelgehalt und fiel demnach natürlich zweifelsfrei unter die Verordnung. Wenn man den zitierten Text genauer betrachtet, stellt man fest, daß es darin um Stäbe geht, die bis zur Ausheilung der Wunde im Stichkanal bleiben, sich das Gesetz also um eine Einschränkung für den Ersteinsatz handelt und nicht um ein generelles Verbot von Chirurgenstahl als Piercingschmuck.

Wie sooft geben Menschen Halbwissen im Brustton der Überzeugung in diversen Foren wieder und so wurde zunächst aus dem Verbot für den Ersteinsatz ein generelles Verbot von Chirurgenstahl.

Es kam nun, wie es kommen musste. Das einmal angelesene Wissen muß weitergegeben werden und wer einmal recht hat, der hat immer recht und bekommt sicher nicht mit, daß die Gesetzgebung gelegentlich Änderungen unterworfen ist.

Im Jahre 2004, also vor mittlerweile 6 Jahren hat der Gesetzgeber, in Dingen des Verbraucherschutzes ist das die Europäische Union, die Verordnung nämlich geändert. Dort heißt es nun im den Piercingschmuck betreffenden Bereich:

Es ist verboten, nickelhaltige Stäbe in Verkehr zu bringen, die in durchstochene Ohren oder andere durchstochene Körperteile eingeführt werden, sofern nicht die Rate der Nickelabgabe aus solchen Stäben weniger als 0,2 Myg/cm2/Woche (Freisetzungsgrenzwert) beträgt.

Die Macher der sogenannten Nickelverordnung hatten also begriffen, daß Allergien durch Freisetzung von Nickel entstehen und nicht schon alleine dadurch, daß man mit einem nickelhaltigen Stoff in Berührung kommt. Für den Piercingschmuck aus Chirurgenstahl bedeutet dies nun:

Da die Freisetzung von Nickel bei einem Piercingschmuck aus 316L Chirurgenstahl praktisch 0 ist, ist dieses Material nicht nur definitv erlaubt, sondern auch was die Allergiegefahr anbelangt als unbedenklich anzusehen.

Ob und inwieweit sich Chirurgenstahl für den Ersteinsatz eignet wird Thema eines weiteren Beitrages sein.

Bauchnabelpiercing

Eine beliebte Variante des Piercings ist das Bauchnabelpiercing.

Hierbei wird in der Regel die Hautfalte über dem Nabel senkrecht durchstochen. Es ist aber auch möglich, seitlich oder unterhalb des Nabels zu piercen. Bei der seitlichen Variante werden meistens zwei Piercings symmetrisch gestochen.

Bauchnabelpiercing

Als Schmuck kommt in der Regel ein Curved Barbell, auch Banane oder Bauchnabelbanane genannt, zum Einsatz.

Dieser Piercingschmuck besteht aus einem gebogenen Stab und zwei unterschiedlich großen schraubbaren Kugeln. Die größere Kugel ist häufig mit einem farbigen Stein oder anderen optischen Elementen verziert.

Seltener werden am Bauchnabel Ball Closure Rings getragen.

Der Nabel ist durch Bewegung und Kleidung einer Vielzahl von Reizungen ausgesetzt. Das Bauchnabelpiercing braucht deshalb besonders viel Pflege, auch die Heilung dauert vergleichsweise lange.

Bei Problemen mit dem Bauchnabelpiercing oder während der Schwangerschaft empfiehlt sich ein Bauchnabel Stecker aus PTFE. Dieses Material ist zum einen beweglich, zum anderen ist es nach heutigem Kenntnisstand absolut allergieneutral.

Bild mit freundlicher Genehmigung von www.silberschmuck.com

Piercing – Geschichte

Piercing ist eine seit unzähligen Generationen praktizierte Form der Körpermodifikation.

In der westlichen Kultur war bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts beinahe ausschließlich der gestochene Ohrring bei Frauen als Form des Piercings akzeptiert. Ausnahmen, wie der Ohrring des Zimmermannes bestätigen die Regel.

Erst zu dieser Zeit begannen die auch ersten Männer, ausgehend von der Hippie Bewegung der 60er, sich die Ohren durchstechen zu lassen. Ob dabei der Ring im rechten Ohr des Mannes wirklich ein Erkennungszeichen für Homosexualität war ist umstritten.

Es dauerte eine ganze Weile, bis sich das Piercing in den 1990ern schließlich durchsetzte. Waren es zunächst Punks, die mit ihren auffälligen Piercings Furore machten, wurde Piercing in der Mitte des Jahrzehnts zu einer weiterverbreiteten Mode-Erscheinung unter Jugendlichen. Seit Beginn dieses Jahrhunderts hat sich das Piercing weitgehend in der Gesellschaft etabliert.